Kindliche Sprachstörungen

Kindliche Sprachentwicklungsstörungen

Was ist eine Sprachentwicklungsstörung?

Eine Sprachentwicklungsstörung ist eine zeitliche und/oder inhaltliche Abweichung von der normalen Sprachentwicklung im Kindesalter.
Dabei kann es zu Auffälligkeiten in folgenden Bereichen kommen

  • Aussprache (Dyslalie)
  • Erwerb und Gebrauch der Grammatik (Dysgrammatismus)
  • Einschränkungen im Sprachverständnis
  • Einschränkungen in der Wortschatzentwicklung

Die Sprache des Kindes ist ein von vielen Faktoren abhängiger Entwicklungsprozess mit großen individuellen Schwankungen im sogenannten "Normbereich". Sprachentwicklungsstörungen treten isoliert oder im Zusammenhang mit weiteren Störungen der kindlichen Entwicklung auf.

Wann sollte ich mein Kind untersuchen lassen?

Konsultieren Sie Ihren Kinderarzt bzw. einen HNO-Arzt / Pädaudiologen, sobald Sie sich im Verlauf der Entwicklung Ihres Kindes Sorgen machen bzw. wenn Sie Folgendes beobachten können:

Wenn ihr Kind im 1. Lebensjahr

  • nicht auf Geräusche reagiert
  • keinen Blickkontakt aufnimmt
  • das Lallen einstellt und verstummt

Wenn ihr Kind um den 1. Geburtstag

  • einfache Aufträge nicht versteht
  • keine ersten Worte spricht
  • kein sprachliches Imitationsverhalten zeigt

Wenn ihr Kind mit 2 Jahren

  • den Eindruck vermittelt, dass es Sie nicht versteht
  • deutlich weniger als 50 Wörter spricht
  • nicht anfängt, Zweiwortsätze zu bilden

Wenn ihr Kind mit 3 Jahren

  • einfache Geschichten nicht versteht
  • noch keine Dreiwortsätze bilden kann
  • nur von Ihnen verstanden werden kann

Wenn ihr Kind mit 4 Jahren

  • einfache Inhalte nicht wiedergeben kann
  • oft unverständlich spricht
  • grammatikalisch falsche Sätze spricht

Welche Ursachen können Sprachentwicklungsstörungen haben?

Bei Störungen des Sprechens und Sprache muss immer von mehreren verursachenden Faktoren ausgegangen werden. Oftmals lässt sich aber keine bestimmte Ursache für die diagnostizierte Störung feststellen. Babys kommen bereits sprachlich vorbereitet auf die Welt; so können sie zum Beispiel bereits kurze Zeit nach der Geburt die Muttersprache von Fremdsprachen unterscheiden z.B. anhand der Sprechmelodie. Der Spracherwerb hängt einerseits entscheidend von den sprachverarbeitenden Fähigkeiten des Kindes ab, andererseits aber auch vom sprachlichen und kommunikativen Umfeld, in dem ein Kind aufwächst.

Zum Teil treten Sprachentwicklungsstörungen in Kombination mit anderen Störungsbildern auf, wie Störungen der Sprechorgane (z.B. Lippen- Kiefer- Gaumenspalte), Hörstörungen, Sehstörungen, Störungen der Motorik oder globale Entwicklungsstörungen (z.B. Autismus, geistige Behinderung).

Was kann ich tun, wenn ich den Verdacht habe, dass mit der Sprache meines Kindes etwas nicht stimmt?

Stellen Sie Ihr Kind zunächst Ihrem Kinderarzt vor und beschreiben Sie ihm Ihre Beobachtungen. Sicherlich wird er zur Abklärung des Hörvermögens einen Hörtest durchführen oder Sie an einen HNO-Arzt bzw. einen Pädaudiologen (auf Kinder spezialisierter HNO-Arzt) verweisen. Sofern der Arzt eine logopädische Therapie für notwendig hält, stellt er Ihnen eine Heilmittelverordnung für Logopädie aus. Mit dieser Verordnung können Sie sich eine Logopädische Praxis Ihrer Wahl suchen und einen Termin vereinbaren.

Wie kann ich mir eine logopädische Therapie vorstellen?

Aufbauend auf die durchgeführte Diagnostik und die Auswertung der angewendeten Testverfahren, erstellt die Logopädin ein auf Ihr Kind individuell abgestimmten Therapieplan. Zum Erreichen dieser Ziele sind wir auf die Kooperation des Kindes angewiesen. Dementsprechend müssen wir uns seiner Interessen bedienen, passende Angebote machen und auf diesem Weg unsere Ziele verfolgen.

Kinder lernen am besten im Spiel, das heißt Spielen bedeutet Lernen mit Spaß und Freude. Dieses Prinzip machen wir uns auch zunutze. Dies bedeutet aber für uns, dass hinter dem Spiel ganz spezifische Therapiemethoden stecken, die wir uns in der Ausbildung oder in Fortbildungen angeeignet haben.

Wie oft findet die Therapie statt und wie lange dauert sie?

In Abhängigkeit der Ergebnisse der Befunderhebung, d.h. je nach Ausmaß der sprachlichen Schwierigkeiten findet die Therapie 1- 2 mal wöchentlich für jeweils 45 Minuten statt. Diese Regelung kann sich während des Behandlungsverlaufes nach Rücksprache mit Ihnen und dem verordnenden Arztes individuell ändern. Die Dauer der gesamten Therapie ist leider im Vorfeld nicht genau vorherzusagen. Je nach Entwicklungsverlauf dauert die Behandlung zwischen weinigen Wochen und einigen Monaten. Dabei haben sich geplante Pausen als effektiv erwiesen. Denn durch die Therapie soll die Entwicklung „nur angestoßen“ werden, so dass in der Regel in der Pause die Entwicklungsfortschritte oft erst zu erkennen sind.

Was können wir als Eltern tun?

Eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern hat sich für den Therapieverlauf als sehr effektiv erwiesen. Sie werden nach jeder Therapieeinheit über den Verlauf informiert und bezüglich sprachfördernder Maßnahmen beraten. Meistens bekommt ihr Kind kleine „Hausaufgaben“ in Form von Bildmaterialien mit, so dass Sie die Möglichkeit haben, Ihr Kind im häuslichen Umfeld gezielt zu unterstützen. Dadurch haben Sie auch aktiv Einfluss auf die gesamte Behandlungsdauer.